Geschwister verstehen und positiv stärken

Geschwisterkonstellation und ihre Bedeutung

Es ist nicht zu verhindern, dass Kinder mit ihren Geschwistern oder anderen Kindern in die Lage kommen zu streiten oder eifersüchtig zu sein. Das gehört zur Auseinandersetzung mit der eigenen Position in der Familie, in der Tagesfamilie oder im Freundeskreis dazu. Jede Geschwisterposition hat seine Vor- und Nachteile. Oft neigen Bezugspersonen dazu, mehr Verständnis für diese Geschwisterposition zu haben, die sie selbst erlebt haben. Die Ältesten haben häufig das Gefühl, zu kurz zu kommen. Sie erlebten als einzige, wie es ist, allein Kind zu sein in dieser Familie. Die Mittleren haben immer jemanden vor der Nase. Dies kann ein Ansporn sein, bedroht jedoch die Position des Erstgeborenen Kindes oft. Die Jüngsten haben Ältere, die vorangehen, die oft schon viel mehr können, das kann Ansporn sein jedoch auch entmutigen. In Kindergruppen kommen die Erfahrungen, Befürchtungen und Strategien aus der Geschwisterkonstellation zum Tragen.

„Es kann auch alles anders sein“
— Alfred Adler

Eifersucht kann sich verschieden äussern

  • Konflikte unter den Geschwistern/in einer Kindergruppe

  • Sticheleien, jedes Kind kennt die Schwachstelle des Geschwisters, des anderen Kindes aus der Gruppe und der Bezugsperson

  • Kinder zeigen dies verschieden: Schweigen, Türen Zuknallen, laut schreien, sticheln

Jammern: ich komme zu kurz, er darf, immer ich, sie muss nie, das ist ungerecht

Eifersucht ist ein Primäraffekt. Botenstoffe schütten sich im Blut aus und verursachen diese stark negative körperliche Befindlichkeit. Dies ist mit körperlichem Schmerz vergleichbar. Eifersucht kann nicht verhindert werden. Mögliche Gründe: Ein zweites Kind kommt zur Welt, die Mutter geht wieder der Arbeit nach, Gäste kommen zu Besuch, ein Geschwister ist krank, ein neues Kind kommt in die Gruppe etc. Das Kind fühlt sich in seiner Position in der Familie oder der Kindergruppe unsicher. Eine 1:1 Zeit von 10-20 min. täglich mit einem Elternteil kann das Kind unterstützen, seinen Platz zumindest in der Gruppe oder Familie wieder zu sichern. Für eine positive Beziehung unter den Geschwistern oder in der Kindergruppe ist es wichtig, dass der Platz jedes Mitglieds gesichert ist.

 

Geschwister- Kinderkonflikte

Häufig sind Bezugspersonen ein fester Bestandteil des Geschwisterkonflikts. Das heisst, sie und ihre Reaktionen sind unbewusst eingeplant. Es entsteht eine Dreieckssituation. Die Bezugspersonen haben verständlicherweise oft Mühe zuzuhören, wie Kinder streiten. Sie haben meist gute Gründe (eigene Befürchtungen, Ängste: „Was denkt der Nachbar, wenn es bei uns so laut zu und her geht“) sich einzumischen. Sie wollen in der Regel schützen und verhindern, dass weiter gestritten wird. Nur kleinste Kinder und Säuglinge müssen geschützt werden. Schon sehr bald können sie sich allein wehren und haben Strategien. Wenn die Bezugspersonen eingreifen, verhindern sie, dass sich die Kinder selbst wehren können. Die Bezugspersonen können deshalb versuchen, länger zuzuwarten, um den Kindern die Möglichkeit zu geben den Konflikt selbst zu klären. Sie dürfen sich fragen: «Was brauche ich, um den Streit auszuhalten? Was ist jetzt gerade mein Bedürfnis?» Z.B: Es ist mir zuviel (räumliche Distanz schaffen), etwas Trinken, Ruhe (Pamir anziehen), mich selbst regulieren (auf 20ig zählen, frische Luft einatmen). Falls die Kinder doch Hilfe brauchen/holen, dann fokussieren wir die Bezugspersonen sich auf die Lösung. Was könnte helfen, um zu einer Lösung des Problems zu kommen, ist dabei eine hilfreiche Frage.

 

Hilfreiche Strategien für die Bezugspersonen

  • 1. Ausstieg der Bezugsperson aus dem Konflikt, eigene Befürchtungen reflektieren

  • Entthronung und Geschwister- Gruppenkonstellation verstehen

  • Verstehen formulieren

  • Gefühle benennen und spiegeln: ich sehe, du bist wütend, traurig, freudig…

  • Streit nicht unterbinden – Konflikttraining zulassen

  • Altersentsprechende Streitregeln einführen (z.B. Stoppzeichen, Rückzug ermöglichen, Kampfmatte…)

  • Nach dem Streiten die Wunden pflegen – ja das kann passieren

  • Familienrat ist in Tagesfamilien eine gute Möglichkeit

  • Edelsteinmoment/Qualitätszeit zur Stärkung der gemeinsamen Beziehung

  • Liste mit Stärken des Kindes

  • Ämtli/Beitrag zur Gemeinschaft

  • Verlässliche Abläufe

  • Gemeinsame Mahlzeiten/Rituale

  • Ermutigende Haltung: «Ich sehe was gut läuft, wo das Kind sich kooperativ zeigt und wo es sich auf ein Spiel mit einem anderen Kind in Frieden einlassen kann». Positives benennen.

  • Babies müssen geschützt werden! Ebenso wenn ein grosses Machtmissverhältnis besteht (Alter, Grösse) 

Die Bezugspersonen dürfen sich entlasten. Es geht nicht darum den Schuldigen zu finden. Sie dürfen sich darauf konzentrieren, die Kinder in der Lösungsfindung zu begleiten, ohne genau zu wissen wer was wann getan hat. Die folgende Haltung kann für Bezugspersonen hilfreich sein: Die Tat (z.B. schlagen, beissen) ist nicht ok, aber du als Mensch bist und bleibst ok.

Ebenso ist es für jedes Kind wichtig, dass die folgenden seelischen Grundbedürfnisse erfüllt sind, damit (weiter-) Entwicklung möglich ist. Diese sind im Aufbau zu verstehen. Sind diese grundbedürftigen Gefühle gedeckt, ist ein Kind bemüht, sich gemeinschaftlich und kooperativ zu verhalten.

Ich fühle mich verbunden und bin in Kontakt

Ich brauche es, mich mit anderen verbunden zu fühlen und einen sicheren Platz zu haben.

Ich fühle mich fähig

Ich schaffe es selbstständig und werde dadurch unabhängiger. Ich spüre meine Fähigkeiten und kann mitgestalten und tätig sein.

Ich fühle mich wertvoll

Ich brauche es, gebraucht zu werden, es kommt auf mich an. Ich kann etwas verändern und werde geschätzt. Dadurch werde ich mir meiner Bedeutung und meinem Wert bewusst und kann diese wahrnehmen. Das führt dazu, dass ich zur Gemeinschaft beitragen will.

Ich fühle mich mutig

Ich stelle mich den Herausforderungen und kann mit dem umgehen, was auf mich zukommt. Dadurch werde ich hoffnungsvoll, zuversichtlich und motiviert. Das steigert meine Widerstandsfähigkeit.

 

 

Quellen:

  • „Emma, Sophie, Max und Co (ein Bilderbuch für Eltern mit Erziehungsabsichten)“ Familienwerkstatt und Andrea Pini

  • „Raising kids who can», Crucial C`s,  Betty Lou Bettner und Amy Lew,

  • „Step: Das Elternbuch, Kinder ab 6 Jahre“, Dinkmeyer Sr. McKay Dinkmeyer Jr., Beltz Verlag

  • „Ich mag dich, du nervst mich“ Jürg Frick, Hogrefe Verlag

  • „Geschwister: eine ganz besondere Liebe“, Jan Uwe Rogge, Gräfe und Unzer Verlag

  • „Die Kraft der Ermutigung“, Jürg Frick, Hogrefe Verlag

  • „Von Wölfen und Bären“, Verena Karl und Eduard Sadzakov, Mompox Verlag


 

Hallo, ich bin Martina Rüttimann

Ich begleite Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Paare und Familien, wenn Konflikte sich wiederholen oder sich etwas im Leben nicht mehr stimmig anfühlt. Gemeinsam schauen wir auf Zusammenhänge, Stärken und Ressourcen und entwickeln neue Handlungsmöglichkeiten.

Dabei begleite ich dich achtsam, ermutigend und mit einer guten Portion Gelassenheit.

Ich freue mich von dir zu hören.

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Die Geschichte einer alten weisen Frau und die Glücksbohnen